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Vom Vorbild zum Modell: InterTourex 232 909-2 in H0 und TT

Vom gemeinsamen Design der Vorbildlok bis zur Umsetzung als Modell: Wir zeigen, wie die InterTourex 232 909-2 auf Basis von PIKO und Tillig in H0 und TT entstand.

Wenn aus einer Gestaltung für eine echte Lokomotive ein Modell für die heimische Anlage entsteht, beginnt ein besonderes Projekt. Bei der 232 909-2 der InterTourex GmbH führte der Weg sogar in beide Richtungen: Train Mobil war zunächst an der Entwicklung des neuen Erscheinungsbildes der Vorbildlok beteiligt. Anschließend sollte genau diese Maschine möglichst originalgetreu in den Spurgrößen H0 und TT umgesetzt werden.

Eine Ludmilla erhält ein neues Gesicht

Mit Tobias Sambill, Geschäftsführer der InterTourex GmbH, verbindet uns bereits seit mehreren Jahren ein regelmäßiger und sehr angenehmer Kontakt. Nachdem wir verschiedene Modelle seiner Lokomotiven angefertigt hatten, entstand 2024 die Idee, gemeinsam ein eigenständiges Design für eine Lokomotive der Baureihe 232 zu entwickeln.

Die charakteristischen Farben von InterTourex sollten deutlich erkennbar bleiben. Gleichzeitig war ein modernes Erscheinungsbild gefragt, das die kräftige Form der „Ludmilla“ unterstreicht, ohne die Lok optisch zu überladen. Aus zahlreichen Entwürfen und unterschiedlichen Farbaufteilungen entwickelte sich im engen Austausch Schritt für Schritt das endgültige Design.

Anfang 2026 erreichten uns schließlich die ersten Aufnahmen der frisch lackierten 232 909-2 auf dem Gelände der DLRR im lettischen Daugavpils. Damit war das Erscheinungsbild des Vorbildes Realität geworden – und für uns begann der nächste Teil des Projektes.

Die Suche nach den passenden Ausgangsmodellen

Für eine glaubwürdige Modellumsetzung reicht es nicht aus, lediglich eine Lokomotive der richtigen Baureihe neu zu lackieren. Gerade bei der Baureihe 232 unterscheiden sich einzelne Maschinen in zahlreichen Details. Dachaufbauten, Lüfter, Frontausrüstung und weitere Bauteile können je nach Bauzustand deutlich voneinander abweichen.

Für die Ausführung in H0 fiel die Wahl auf eine Lokomotive von PIKO. Das Modell bot eine gute Grundlage, entsprach der 232 909-2 jedoch nicht vollständig. Deshalb wurden passende Ersatzteile verschiedener PIKO-Modelle miteinander kombiniert und durch eigens angefertigte Bauteile ergänzt.

In der Spurgröße TT diente die ITL-Lokomotive W232-09 von Tillig als Basis. Auch hier waren umfangreiche Anpassungen erforderlich, damit aus dem Serienmodell eine möglichst genaue Nachbildung der InterTourex-Lokomotive entstehen konnte.

Mehr als eine neue Lackierung

Zu Beginn wurden die vorhandenen Anschriften und Bedruckungen der Ausgangsmodelle entfernt. Erst danach konnten die Gehäuse vorbereitet und die konstruktiven Unterschiede zum Vorbild bearbeitet werden.

Besonders auffällig war die Anordnung der Griffstangen an den Frontseiten. Die vorhandenen Bohrungen passten nicht zur 232 909-2. Sie wurden verschlossen und verspachtelt, während an den korrekten Positionen neue Bohrungen entstanden.

Auch auf dem Dach waren Veränderungen notwendig. Die hohen Siemens-Lüfter der Ausgangsmodelle entsprachen nicht dem Zustand der Vorbildlok und wurden auf die ältere Belüftungsvariante umgebaut. Darüber hinaus musste die eckige Ausführung der elektrischen Bremse gegen die passende runde Variante ausgetauscht werden.

Die fertiggestellte InterTourex 232 909-2 in H0. Als Ausgangsbasis diente ein Modell von PIKO, das technisch und optisch an das Vorbild angepasst wurde.
Die fertiggestellte InterTourex 232 909-2 in H0. Als Ausgangsbasis diente ein Modell von PIKO, das technisch und optisch an das Vorbild angepasst wurde.
In der schrägen Ansicht werden die charakteristische Frontgestaltung, die geänderten Dachbereiche und zahlreiche Zurüstteile sichtbar.
In der schrägen Ansicht werden die charakteristische Frontgestaltung, die geänderten Dachbereiche und zahlreiche Zurüstteile sichtbar.

Neue Details für die Frontpartien

An den Frontseiten warteten weitere Arbeiten. Die serienmäßig vorhandene UIC-Dose des H0-Modells war zu groß und wurde durch eine kleinere, maßstäblich passendere Ausführung aus dem 3D-Druck ersetzt. Zusätzlich erhielt das Modell weitere UIC-Dosen entsprechend dem Vorbild.

Die unten angebrachten Scheibenwischer der Ausgangsmodelle passten ebenfalls nicht zur 232 909-2. Sie wurden entfernt und gegen oberhalb der Frontscheiben montierte Varianten aus eigener Fertigung ausgetauscht. Als weiteres charakteristisches Bauteil kam die sogenannte Hollandschürze hinzu. Auch dieses Detail entstand im 3D-Druck.

Die Front erforderte mehrere Anpassungen. Griffstangen, UIC-Dosen, Scheibenwischer und weitere Details wurden entsprechend dem Vorbild umgesetzt.
Die Front erforderte mehrere Anpassungen. Griffstangen, UIC-Dosen, Scheibenwischer und weitere Details wurden entsprechend dem Vorbild umgesetzt.
Der direkte Blick auf die Front zeigt die neu angeordneten Griffstangen, die oben montierten Scheibenwischer und die detaillierte Beschriftung.
Der direkte Blick auf die Front zeigt die neu angeordneten Griffstangen, die oben montierten Scheibenwischer und die detaillierte Beschriftung.

Lackierung und Beschriftung

Nachdem sämtliche Änderungen an den Gehäusen abgeschlossen waren, konnten die Modelle für die Lackierung vorbereitet werden. Die vom Vorbild bekannten RAL-Farbtöne und zahlreiche Detailaufnahmen bildeten dabei die Grundlage für eine möglichst genaue Umsetzung.

Eine besondere Herausforderung bestand darin, die Farbflächen und Gestaltungselemente auf die unterschiedlichen Maßstäbe zu übertragen. Was auf einer Lokomotive im Maßstab 1:1 großzügig und klar wirkt, muss in H0 und besonders in TT präzise angepasst werden. Linienbreiten, Abstände und Anschriften dürfen dabei weder zu fein noch zu dominant ausfallen.

Die Beschriftungen wurden speziell für beide Spurgrößen gezeichnet und als Decals angefertigt. Erst durch das Zusammenspiel aus Lackierung, Beschriftung und den zuvor vorgenommenen Detailumbauten erhielten die Modelle ihr unverwechselbares Erscheinungsbild.

Die 232 909-2 in der Spurgröße TT

Auch beim kleineren Modell im Maßstab 1:120 sollten nicht nur die Farben, sondern ebenso die charakteristischen Merkmale der Vorbildlok erkennbar sein. Die Tillig-Basis stellte dabei andere konstruktive Anforderungen als das H0-Modell. Jeder Maßstab benötigte deshalb eigene Lösungen und angepasste Bauteile.

Die InterTourex 232 909-2 in der Spurgröße TT. Grundlage des Umbaus war die ITL-Lokomotive W232-09 von Tillig.
Die InterTourex 232 909-2 in der Spurgröße TT. Grundlage des Umbaus war die ITL-Lokomotive W232-09 von Tillig.
Auch beim TT-Modell wurden Bauform, Farbaufteilung und zahlreiche Details an das Vorbild angepasst.
Auch beim TT-Modell wurden Bauform, Farbaufteilung und zahlreiche Details an das Vorbild angepasst.
Die Frontansicht zeigt die markante Gestaltung sowie die feinen Anpassungen an Griffstangen, Scheibenwischern und Frontausrüstung.
Die Frontansicht zeigt die markante Gestaltung sowie die feinen Anpassungen an Griffstangen, Scheibenwischern und Frontausrüstung.
Trotz des kleineren TT-Maßstabs wurden die charakteristischen Merkmale bis hin zur Loknummer und den feinen Frontdetails umgesetzt.
Trotz des kleineren TT-Maßstabs wurden die charakteristischen Merkmale bis hin zur Loknummer und den feinen Frontdetails umgesetzt.

Ein Vorbild – zwei Maßstäbe

Die Umsetzung der InterTourex 232 909-2 zeigt, wie stark sich ein sorgfältig umgebautes Modell von einer lediglich neu lackierten Serienlokomotive unterscheidet. Viele Änderungen fallen auf den ersten Blick vielleicht nicht einzeln auf. In ihrer Gesamtheit bestimmen sie jedoch den authentischen Eindruck.

Sowohl das H0- als auch das TT-Modell besitzen eigene konstruktive Voraussetzungen. Deshalb konnte der Umbau nicht einfach von einem Maßstab auf den anderen übertragen werden. Für beide Modelle mussten passende Lösungen gefunden, Bauteile angepasst und teilweise neu konstruiert werden.

Die fertiggestellte 232 909-2 bei ihrem ersten Einsatz auf der TT-Modellbahnanlage – gemeinsam mit einem modernen Triebwagen.
Die fertiggestellte 232 909-2 bei ihrem ersten Einsatz auf der TT-Modellbahnanlage – gemeinsam mit einem modernen Triebwagen.
Im Anlagenbetrieb entfaltet die orange-silberne Farbgestaltung der InterTourex-Lokomotive ihre besondere Wirkung.
Im Anlagenbetrieb entfaltet die orange-silberne Farbgestaltung der InterTourex-Lokomotive ihre besondere Wirkung.

Wenn Vorbild und Modell zusammenfinden

Normalerweise dient eine bereits existierende Lokomotive als Vorlage für ein Modell. Bei diesem Projekt durften wir den Weg von Anfang an begleiten: von den ersten Überlegungen zur Gestaltung der echten Lok über die Ausarbeitung des endgültigen Designs bis zur Umsetzung in H0 und TT.

Gerade diese Verbindung macht die InterTourex 232 909-2 für uns zu einem besonderen Projekt. Aus einer gemeinsamen Idee wurde zunächst eine Lokomotive im Maßstab 1:1 – und anschließend entstanden daraus zwei kleine Ludmillas für die Modellbahnanlage.